
WIMA Tage 2011: Podiumsdiskussion mit Alexander Stumpfegger
Im Rahmen der Wissensmanagementtage 2011 in Stuttgart hatte ich Gelegenheit an einer Podiumsdiskussion zum Thema “Wissensmanagement im Jahr 2015” teilzunehmen. Im Grundsatz waren wir uns einig: Unternehmen müssen und werden sich in den nächsten Jahren mehr und mehr in “lernende Organisationen” wandeln – Wissensmanagement als Disziplin werde in alle Unternehmensbereiche “diffundieren” und grundsätzliche Eigenschaft unseres Arbeitens werden: Wissen teilen & lernen als ständiger Prozess.
Ein wesentlicher Aspekt dabei ist die Kommunikation. Auf die Frage, welche wesentlichen Veränderungen wir uns in Sachen Kommunikation in den nächsten Jahren vorstellen könnten, antwortete ich mit der Behauptung, E-Mail würde nur noch auf eine Rolle “offiziellen Schriftwechsels” reduziert, ähnlich wie klassische Post heute, und sonst kaum noch verwendet werden. Persönliche Kommunikation werde mehr und mehr über soziale Netze – vor allem auch intern, nicht nur Facebook, Google+ etc. – in Kombination mit den üblichen Enterprise 2.0-Verdächtigen Blogs, Wikis etc. abgewickelt.
E-Mails sind gut: schnell, asynchron, einfach & flexibel. Aber sie sind sehr unübersichtlich, das Nachverfolgen ganzer Themen und Kommunikationsstränge ist nur sehr eingeschränkt über Hilfsmittel möglich, die sich wiederum sehr zwischen den verwendeten Mail- und Suchprogrammen unterscheiden.
Einen Ansatz, wie ihn Google+ verfolgt, finde ich dabei sehr vielversprechend: die Möglichkeit, Informationen an einen jeweils passend zu definierenden Empfängerkreis zu senden, diesem asynchron Reaktionsmöglichkeiten zu bieten, dabei nicht so öffentlich wie Facebook zu sein, und alle Nachrichten sauber abgelegt und nachvollziehbar zu wissen, erscheint sehr praktisch. Derartige Funktionen innerhalb von Unternehmen zu etablieren ohne auf öffentliche Netzwerke zurückgreifen zu müssen, erscheint vielversprechend. Dann wird es möglich, Informationen fortlaufend aber fokussiert bereitzustellen, ohne aufdringlich zu werden, da Kollegen immer dann darauf zugreifen und reagieren, wenn es ihnen möglich ist.
Für die direkte Kommunikation bieten sich vor allem Instant Messaging-Systeme an, die einen weniger strukturierten Charakter haben, wie das “Posten” einer ganz bestimmten Information, gleichzeitig aber die Aspekte direkter Kommunikation mit einem gewissen Maß an Asynchronität kombinieren.
Für die wirklich dringenden, kurzfristigen Angelegenheiten wird es weiterhin bei einem Medium bleiben, dem Telefon.
Einen großen Schritt in diese Richtung hat sich nun das Systemhaus Atos Origin auferlegt. Nach der Ankündigung, E-Mail aus der internen Kommunikation verbannen zu wollen, hat Thierry Breton, CEO, nun einen Zeitplan von 18 Monaten für die Etablierung einer “Zero Email Policy” vorgegeben. Nur 10% der üblichen 200 E-Mails pro Tag, die Mitarbeiter erhalten, seien überhaupt nützlich, so Breton.
Diese Entwicklung verstärkt den Druck auf Einzelne, offen innerhalb einer Organisation mit ihrem Wissen umzugehen, dieses zu teilen und aktiv mit sozialen Werkzeugen umzugehen. Dies unterstützt direkt Bestrebungen, Unternehmen in wissensverarbeitende Organisationen zu wandeln, innerhalb deren Wissensmanagement fester Bestandteil in allen Aktivitäten ist – und so letztlich nicht mehr die Kenntnis einer bestimmten Information einen Wert darstellt, sondern das, was man daraus macht.